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Der Schutzverband der Pensionskassenberechtigen pe|ka|be fordert mehr Rechte bei Betriebspensionen.

Interview von Volker Obermayr mit Josef Kronemann, Vorsitzender pekabe:

Der Schutzverband der PK-Berechtigten, pekabe, fordert mehr Rechte bei Betriebspensionen. Dieser Teil der zusätzlichen Altersvorsorge müsste reformiert werden, sagt Josef Kronemann, Vertreter der pekabe.

Würden Sie jungen Menschen derzeit zu einer Betriebspension raten?

So wie das Gesetz derzeit verfasst ist und aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre, müsste ich sagen: NEIN. Es bedarf dringend einer Evaluierung, was die derzeitige aber auch die vorherige Regierung vorhatte, aufgeschoben und auf die warten wir schon dringend.

Wie wird die jetzige eine zweite verlässliche Säule der Altersversorgung?

Zunächst einmal bedarf es einer Verbesserung und einer Qualitätsverbesserung der Veranlagung. Es bedarf einer externen Qualitätskontrolle, dass man das nicht alleine den Veranlagungsexperten der PK überlässt. Es bedarf einer Verbesserung der Kostensituation und es stehen hinter der Veranlagung sehr komplizierte Fonds-Strukturen, die enorme Kosten verursachen – auch von externen Fondsmanagern. Da gibt es eine ganze Reihe von Detailproblemen –  es liegt auf der Hand was zu tun wäre. Es muss nur einmal getan werden.

Das heißt, dass die PK-Berechtigten derzeit den Finanzmärkten voll ausgeliefert sind, d.h. das Risiko tragen alleine die Arbeitnehmer?

So ist es.

Ist die Betriebspension vor allem ein Riesengeschäft für Versicherungen und Banken?

Das ist eine heikle Frage. Die Partner sind natürlich die PK,  dahinter stehen natürlich Versicherungen und Banken und zweifellos verdienen die Banken mit den Fondsgeschäften zu einem Teil mit, aber ein Riesengeschäft kann es derzeit wahrscheinlich auch nicht sein. Aber da gibt es natürlich großen Verbesserungsbedarf und aus der Vergangenheit schleppen wir leider Fehler mit, die sich bis heute auswirken.

Wann wird eigentlich ausreichend kontrolliert was mit dem Kapital der Pensionsbezieher, immerhin mehr als 20 Milliarden Euro, insgesamt passiert?

Da gibt es die Finanzmarktaufsicht, die Wirtschaftsprüfer und es muss auch Rechenschaft gelegt werden. Aber letztendlich gibt es keine Ergebnisverantwortung von den PK und das ist auch der Punkt, den wir kritisieren, das ist eigentlich ein Unikat: das Risiko tragen alleine wir, die Pensionisten und die Anwartschaftsberechtigten.

Das muss sich ändern wie Sie sagen. Wer soll den Mindestertrag für diese zweite Säule der Altersvorsorge künftig garantieren?

Das muss in das System implementiert werden. Das ist ja keine Neuigkeit, die Mindestertragsgarantie gab es ja bis 2004, wurde von Bundesminister Grasser abgeschafft zugunsten der PK und das gilt es wiederaufzubauen. Und das heißt natürlich auch, die Aktionäre der PK zur Verantwortung zu ziehen.

In Deutschland gibt es deutlich mehr Betriebspensionen. Die Lücke aus der staatlichen Pension, die ja im Schnitt viel größer ist als bei uns in Österreich, die kann die Zusatzpension aber nicht ausgleichen. Halten Sie die Betriebspension auch mit neuen Regeln also wirklich für ein Zukunftsmodell?

Es wäre theoretisch – und sollte ja so sein – in jedem Fall eine wertvolle Ergänzung zur ersten Säule. Nur so wie sie derzeit in Österreich läuft, bedarf es einer wesentlichen Verbesserung. Wir sind in Österreich unseres Wissens im EU-Raum das einzige Land wo die alleinige Verantwortung bei den Pensionisten liegt. Auch die Rechtsform ist ein Unikat usw., also da gibt es einige Punkte wo man auch ansetzen könnte. Da sind die Kollegen im Ausland, wenn man so sagen kann, besser dran.

Die zweite Säule der Alterspension, also die Betriebsvorsorge, derzeit nicht das ideale Modell zur Entlastung der staatlichen Pension und zur zusätzlichen Absicherung für das Leben nach dem Arbeitsleben. Josef Kronemann, Obmann des Schutzverbandes der PK-Berechtigten, herzlichen Dank.

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