Dramatische Leistungskürzung der Pensionskassen um bis zu 15 Prozent ab 2023 unvermeidbar

17. Oktober 2022

Image-empty-state_edited.jpg

Völliges Desinteresse der Politik und unzureichende Unterstützung der Sozialpartner führen für Pensionisten zu einer unhaltbaren Situation.

Presseaussendung vom 17. Oktober 2022:

Österreichs Politik und die Sozialpartner ignorieren seit Jahren die prekäre Lage der Leistungsberechtigten von Pensionskassen. Eine Initiatve des Seniorenrats wurde von Beamten des Finanzministeriums zurückgewiesen, es handelt sich nämlich nicht um Verluste, sondern um eine nicht eingetroffene Erwartung. Angesichts der zu erwartenden Pensionskürzungen von 15% und einer Inflation von 10% eine mehr als zynische Ansicht.


Die Aussendung bei der APA: LINK


Medienecho

Zahlreiche Medien haben unser Aussendung aufgegriffen, darunter ORF, Der Standard, Kurier  und die Wiener Zeitung.  


Die österreichischen Pensionskassen haben zum 30. September 2022 ein Minus von 9,73 Prozent gemeldet, die seit Jahresbeginn negative Entwicklung hat sich somit unvermindert fortgesetzt. Das veranlagte Vermögen reduzierte sich im laufenden Jahr somit um rund 2,7 Milliarden Euro, ein unwiederbringlicher Verlust für alle Berechtigten.

Im Ergebnis bedeutet das für rund 120.000 Bezieher einer Pensionskassenleistung – je nach Rechnungszins – eine Pensionskürzung von bis zu 15 Prozent ab dem kommenden Jahr. Unter Berücksichtigung der aktuellen Inflationsrate ergibt sich somit ein Kaufkraftverlust von 25 Prozent – ein Viertel der Betriebspension wird so defacto vernichtet. Diese Entwicklung ist aber auch für die noch im Berufsleben stehenden Anwartschaftsberechtigten mehr als unerfreulich, da sich deren zukünftige Pensionsleistung erheblich verringert.


Politik ignoriert Fehlentwicklung seit Jahren

PEKABE hat die politisch Verantwortlichen wiederholt auf zahlreiche Mängel im Pensionskassensystem hingewiesen: so haben viele Leistungsberechtigte durch wiederholte Pensionskürzungen schon mehr als 50 Prozent ihrer ursprünglichen Pension verloren. Die mit politischen Parteien geführten Gespräche haben bis jetzt keinen Willen erkennen lassen, diese offenkundigen Probleme zu lösen. Arbeiterkammer und Gewerkschaften ist das Problem bewusst, dennoch gibt es keine Unterstützung der Interessen der über eine Million Pensionskassen-Berechtigten.
Eine im April 2022 gegenüber dem Seniorenrat von Finanzminister Brunner zugesagte rasche Lösung zur Abfederung der Verluste konnte bis jetzt nicht erreicht werden. Diese begrüßenswerte Initiative der Seniorenvertreter wurde nämlich in der Folge von den Beamten des Finanzministeriums abgelehnt. Für die betroffenen Pensionisten ist dies völlig unverständlich, da in den letzten Monaten für unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen zahlreiche Hilfspakete geschnürt wurden, auf die Pensionskassen-Pensionisten wurde schlichtweg vergessen.


Peter Weller, der Vorsitzende von PEKABE dazu: „Aus sozialen Gründen sollte es unbedingt zu einer Reform der zweiten Säule des Pensionssystems kommen. Die Vernichtung von einem Viertel der Pensionsleistung durch Börse und Inflation in nur einem Jahr ist dramatisch und viele Pensionisten sind mit dieser Situation überfordert. Eine rasche politische Lösung ist mehr als angezeigt, denn nur wer rasch hilft, der hilft wirklich.“