Ist das österreichische Pensionskassensystem fit für die Zukunft?

13. Oktober 2022

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Grundsätzlich befürwortet PEKABE alle Ideen zur Stärkung der Altersvorsorge, Erfahrungen in der Vergangenheit haben gezeigt, dass es allerdings Handlungsbedarf in vielfacher Hinsicht gibt.
In einem Interview hat Peter Weller die wesentlichen Eckpunkte für eine Reform des Pensionskassensystem erläutert.

Herr Weller, PEKABE hat wegen der bisherigen Erfahrungen die Pensionskassen stets kritisch gesehen. Vom Fachverband der Pensions- und Vorsorgekassen wird das Thema General-Pensionskassenvertrag immer wieder thematisiert, wie denken Sie darüber?


Ich begrüße grundsätzlich jede Stärkung der Altersvorsorge, unabhängig ob es sich um betriebliche oder individuelle Vorsorge handelt. Die Vermeidung von Altersarmut ist von wesentlicher Bedeutung für unsere Gesellschaft und dazu bedarf es nachhaltig gesicherter Pensionen, auch unter manchmal wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen. Eine stabile Pensionsleistung auf Basis einer guten Performance der Pensionskassen ist für die Berechtigten, vor allem für die Pensionisten, von höchster Bedeutung.
In dem Zusammenhang gibt es einige wesentliche Punkte, die zu verbessern sind, erst dann kann der General-Pensionskassenvertrag für alle Beteiligten ein Erfolgsmodell werden.


Was meinen Sie damit konkret, wie könnte eine Lösung aussehen?

Dazu gibt es verschiedene Überlegungen, die sich teilweise auch im Regierungsprogramm finden. Zum Beispiel die steuerliche Begünstigung für Beiträge, die von den Arbeitnehmern selbst geleistet werden, bis hin zu Prämienmodellen für Geringverdiener. Die Möglichkeit, die Abfertigung mit Pensionsantritt in eine Pensionskasse zu übertragen, ist grundsätzlich überlegenswert. Für mich ist es jedoch besonders wichtig die Thematik gesamthaft zu betrachten und nach Möglichkeit bestehende Systemschwächen im Pensionskassengesetz zuvor zu beseitigen. Damit sollen auch für die Leistungsberechtigten, die Pensionisten, Verbesserungen einhergehen.


Wer kann hier Ihrer Meinung nach etwas tun?

Der Ball liegt in erster Linie beim Gesetzgeber, also bei Bundesregierung und Parlament. Ich sehe hier vor allem aber auch die Sozialpartner gefordert: AK, Gewerkschaft und Seniorenrat haben dazu sicherlich bereits konkrete Vorstellungen. PEKABE ist in dem Zusammenhang immer wieder in Gesprächen mit diesen Organisationen, denn das Pensionskassengesetz hat – auch im internationalen Vergleich – großen Optimierungsbedarf. Es muss gelingen das System fair, transparent und nachhaltig zu gestalten, damit es für alle Berechtigten attraktiv wird.

Wir werden daher in den nächsten Wochen zu den für uns wichtigen Punkten unsere Überlegungen und Vorschläge der Öffentlichkeit vorstellen. Vorweg kann ich sagen, dass es klare Spielregeln für die Übertragung der Abfertigung in die Pensionskasse braucht und uns darüber hinaus Themen wie beispielsweise flexiblere Veranlagungsstrukturen, verbesserte Transparenz, Kapitalverwendungsrechte usw. besonders wichtig für eine zukunftsorientierte Lösung sind.


Das Interview finden Sie auch als Presseaussendung: LINK